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Bernhard Hans Henry Scharoun. Vita.

Hans Scharoun wird am 20. September 1893 in Bremen als Sohn eines Brauereibesitzers geboren. Die Vorfahren väterlicherseits entstammen aus Böhmen. Seine ersten Architekturentwürfe sind mit 1909 zu datieren, bereits 1912, dem Jahr seiner Immatrikulation an der Technischen Hochschule Charlottenburg (bei Berlin), beteiligt er sich an Wettbewerben. Im Ersten Weltkrieg 1915 eingezogen, nimmt er am Wiederaufbau ostpreußischer Städte teil. Mit Kriegsende aus dem Militär entlassen, bleibt Scharoun in Insterburg (Ostpreußen, jetzt Tschernjachowsk), eröffnet ein eigenes Büro und wird Mitglied im BDA — ohne je einen Diplom erlangt zu haben!
Dem “Neuen Bauen” verpflichtet, beteiligt er sich am Bruno Tauts “Aufruf zum farbigen Bauen” (1919); aus dem Kreis der Unterzeichner entsteht bald die “Gläserne Kette”.

(Bruno und Max Taut, Hermann Finsterlin, Walter Gropius, Hans und Wassili Luckhardt, Hans Scharoun u.a.)
Das “Neue Bauen”, theoretisch u.a. durch Hugo Haering zusammengefaßt, verstand sich als eine vorgangs- und bedarfsbezogene Alternative zur ausschmückenden Bauweise der Vorzeit, später auch zum Rechteckbau Le Corbusiers. Sowohl die Insterburger Wohnbauten Scharouns als auch seine aquarellierte Visionen von Volkshäusern und Stadtkronen zeugen von der Haltung.
Anfang der 1920er Jahre entstehen organisch-schwungvolle Hochhausentwürfe: 1921 für das berühmte Wettbewerb Berlin-Friedrichstraße, 1922 — für den Königsberger Börsenhof, 1925 — den Kölner Brückenkopf. Die Berliner und Kölner Arbeiten werden angekauft.
Im Jahr 1925 geht er als Professor an die Kunstakademie Breslau und bleibt dort bis zur Schließung der Akademie 1932. Seit 1926 Mitglied des “Rings”,
(Otto Bartning, Walter Curt Behrendt, Peter Behrens, Walter Gropius, Hugo Haering, Ludwig Hilbesheimer, Hans und Wassili Luckhardt, Ernst May, Erich Mendelsohn, Adolf Meyer, Hans Poelzig, Adolf Rading, Ludwig Mies van der Rohe, Hans Scharoun, Bruno und Max Taut, Heinrich Tessenow, Martin Wagner u.a.)
beteiligt er sich an Gemeinschaftsausstellungen, so auch in Stuttgart-Weißenhof 1927, für die er ein Einfamilienhaus errichtet.
Ende 1920er entwickelt Scharoun neue Wohnungstypen für den “modernen Stadtmenschen” — es enstehen Appartamenthäuser in Berlin, ein Ledigenheim an der Werkbundausstellung “Wohnen und Werkraum” (Breslau), schließlich der städtebauliche Entwurf und Hausplanungen für die Großsiedlung Siemensstadt. Das etwa 1400 Wohnungen umfassende Vorhaben, eine Fortsetzung der wilhelminischen Werkswohnhäuser in neuen Formen und Dimensionen, entsteht ab 1930 in Zusammenarbeit mit anderen“Ring”-Mitgliedern.
(Otto Bartning, Alfred Forbat, Walter Gropius, Hugo Haering, Paul Rudolf Henning)
Das dort angefangene Thema der gewinkelten Zeilenbauten, Gartenhöfe und Nachbarschaften wird Scharoun in den 1960er Jahren mit dem Wohngebiet “Charlottenburg-Nord” abschließen.
Zugleich baut er Villen, so das Haus Schminke in Löbau (1933), Haus Mattern bei Potsdam (1934), Haus Baensch (1935), Haus Mohrmann (1939). Solche Privataufträge, in denen unscheinbare Außenmauern und Dächer unkonventionelle Innenräume verbergen, retten ihn durch die Nazizeit.
Schon am 17. Mai 1945 fängt Scharoun als Stadtbaurat Groß-Berlins mit der Arbeit am Rekonstruktionsplan an, die Stadt soll “gegliedert und aufgelockert” werden. Der vom “Planungskollektiv”
(Wils Ebert, Peter Friedrich, Ludmilla Herzenstein, Reinhold Lingner, Luise Seitz, Selman Selmanagic, Hans Scharoun, Herbert Weinberger)
1946 der Öffentlichkeit vorgestellte Plan wird allerdings als viel zu radikal abgelehnt. Einzelne Ideen (z.B. tangentiale Schnellstraßen) finden später Eingang in Fachplanungen, sodaß bis heute wegen der Urheber- und Schuldigenfrage Verwirrung besteht.
Aus dem Magistrat beurlaubt, wird er 1947 zum Städtebau-Professor an der Technischen Universität in Charlottenburg (West-Berlin). Er gründet das Institut für Bauwesen an der Deutschen Akademie der Wissenschaften mit einem Sitz in Ost-Berlin — dies bringt Scharoun einiges an Kritik ein. Als 1950 der sozialistische Realismus verordnet wird, löst sich das Institut auf.
Die zahlreichen Wettbewerbe der beginnenden 1950er Jahre bringen Scharoun Ruhm und Auszeichnungen, kommen aber nicht zur Ausführung (Liederhalle Stuttgart 1949, 1. Preis; Amerika-Gedenkbibliothek 1951, 2. Preis; Staatstheater Kassel 1952, 1. Preis; Wiederaufbau Helgoland 1952, Ankauf; Nationaltheater Mannheim 1953). Obwohl seit 1954 in Stuttgart sein Wohnhochhaus “Julia” (1956 gesellt sich der “Romeo” hinzu) im Bau ist, gilt Scharouns Architektur als unbaubar. Stattdessen wird er mit Ehrungen überschüttet: zwei Doktorwürden 1954 (TH Stuttgart und TU Berlin), 1955 — Präsidentschaft der Akademie der Künste in West-Berlin und Berliner Kunstpreis.
In der zweiten Hälfte der 1950er Jahre kommt der Durchbruch. 1955 wird mit dem Lünener Mädchengymnasium angefangen, hier baut Scharoun auf seinem eigenen Beitrag zum “Darmstädter Gespräch” 1951 und den darauffolgenden Diskussionen. Der Entwurf einer neuen Philharmonie in Berlin-Wilmersdorf bekommt 1956 den ersten Preis. Im “Hauptstadt-Berlin”-Wettbewerb 1958 gewinnt Scharoun den zweiten Preis; 1959 wird mit dem weiteren Wohnhochhaus in Stuttgart begonnen (“Salute”, Fertigstellung 1963, Paul-Bonatz-Preis 1967); für den Beitrag zum Konzerthallen-Wettbewerb in Saarbrücken erhält er den 3. Preis.
Die 1960er Jahre fangen ähnlich feierlich an: 1963 wird die Philharmonie eröffnet (endgültig fertiggestellt wird sie erst 1981 sein, bis 1988 muß man auf das Kammermusiksaal warten); 1964 bekommt Scharoun den Großen BDA-Preis dafür; im gleichen Jahr gewinnt er den Wettbewerb “Neubau Staatsbibliothek”. Ihre Eröffnung 1978 erlebt er allerdings nicht mehr, sein Assistent und Büropartner Edgar Wisniewski wird die Bauten (neben Staatsbibliothek auch Kammermusiksaal (1968-81) und Musikinstrumenten-Museum (1969-84)) fertigstellen. Das geplante Gästehaus, ein Teil des Bibliotheksentwurfs, bleibt unausgefürt.
Von 1964 bis 1971 ensteht nach seinem Entwurf die Deutsche Botschaft in Brasilia, 1965 bekommt sein “Theater der Stadt Wolfsburg” den Ersten Preis verliehen (Eröffnung 1973).
Er wird Ehrendoktor der Universität Rom und Träger des Auguste-Perret-Preises des UIA (beide 1965), die Stadt Berlin macht ihn zum Ehrenbürger.

Am 25. November 1972 stirbt Scharoun in Berlin und wird auf dem Waldfriedhof Zehlendorf beigesetzt.
Die Margarethenstraße an der Philharmonie erinnert seit 1993 an ihn.

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